Siedlergemeinschaft Resse II

Unsere Geschichte

Die Geschichte von unserem Ortsteil Resse und die unserer Gemeinschaft wurde vom Bergbau geprägt. Grundstein war das Abteufen der Schächte 3 und 4 ab dem Jahre 1895.
Die Bauernschaft entwickelte sich zu einem kleinen Städtchen, Straßen, Schulen, Wohnungen und Geschäftshäuser entstanden, die Einwohnerzahl stieg von 700 auf über 3000..

Nach der Währungsreform 1948 begann die Wirtschaft in Deutschland zu wachsen und benötigte viel Energie.
Diese wurde hauptsächlich aus Kohle gewonnen. Die Zechen liefen auf Hochtouren.
Es wurden viele Arbeitskräfte gebraucht aber es herrschte auch Wohnraummangel.
Um Abwerbungen zu verhindern und Mitarbeiter fester an sich zu binden boten die Schachtanlagen billiges Wohneigentum an So auch die Bergwerksgesellschaft Ewald König Ludwig. Bauwillige konnten sich in einer Liste eintragen. Nach einem bestimmten Auswahlverfahren wurde dann festgelegt wer bauen durfte. Als Trägergesellschaft fungierte die Vestisch Märkische Wohnungsbau Gesellschaft
Mit dieser schlossen die Bauwilligen einen Kaufanwärtervertrag ab und das Abenteuer Eigenheimbau begann.

Für die Bauherren war es ein finanzielles Risiko, die Baukosten betrugen damals rund 26000 DM. Durch verschiedene Darlehen, unter anderem 5000DM vom Arbeitgeber,der Zeche Ewald, wurde der größte Teil der Kosten gedeckt.
Für rund 4000,00 DM mussten die Bauherren Eigenleistungen erbringen, die so genannte Muskelhypothek.

Gebaut wurde nach den Vorgaben des Reichsheimstättengesetz aus dem Jahre 1920 und den Bestimmungen der damals noch herrschenden Besatzungsmacht
Die Häuser wurden geplant als Einfamilienwohnhaus mit Einliegerwohnung. Diese Einliegerwohnungen mussten an Beschäftigte der Zeche Ewald vermietet werden. Zu dem Haus gehörte ein relativ großes Grundstück (im Schnitt 800m²) das als Gartenland genutzt werden sollte um eine Eigenversorgung mit Obst und Gemüse zu erlauben. Auch ein Stall für die Haltung von Kleinvieh und ein Heuboden waren im Haus
Damit keiner sich auf ein spezielles Haus konzentrieren konnte, wusste keiner der Bauherren in welches Haus er einmal einziehen würde. Damit fingen für die Leute vom Pütt harte Zeiten an. Nach verfahrener Schicht Unter- und Übertage ging es zur Baustelle um dort weiter zu schuften, ja zu schuften. Um die geforderten Stunden erbringen zu können verbrachten sie jede freie Minute auf dem Bau
Es war eine harte Arbeit, angefangen vom Aushub der Baugruben bis zum Beton mischen wurde alles von Hand erledigt. Es gab keine Bagger oder ähnliches, zig m³ Bodenaushub, zig m³ Beton, alles musste mit der Schippe und mit der Schubkarre bewältigt werden. Die Fundamente wurden gegossen, die Entwässerung wurde verlegt, Steine wurden geschleppt, Mauerspeis angemacht, Wände wurden gemauert, Verschalungen gesetzt, Moniereisen verlegt, Beton wurde gemischt, die Decken gegossen, Wände verputz, usw. usw. Nur wenige Arbeiten wurden durch Fachfirmen ausgeführt
So enstanden in Gemeinschaftsarbeit mit primitivsten Mitteln die einfachen aber schmucken Häuser. Kurz vor der Fertigstellung der Häuser wurde dann in einem Losverfahren ermittelt wer in welches Haus ziehen würde. Nach der Verlosung tauschten auch einige Bauherren ihr Los um mit guten Freunden Nachbarn zu werden.
Schon kurz nach dem Einzug traten an den Häusern, durch mangelhafte Arbeit einer Stuckfachfirma, Baumängel auf. Um ihre Ansprüche durchsetzen zu können setzten sich 1954 auf Einladung von einem der Bauherren, Herr Michael Bittner, 30 Siedler zusammen und gründeten eine Siedlergemeinschaft. Diese Gemeinschft schloß sich dem damaligen Deutschen Siedlerbund Westfalen-Lippe e.V. (heute Verband Wohneigentum) an und wurde dort unter dem Namen Ortsgemeinschaft-Resse II eingetragen.
Der Gründungsvater der Gemeinschaft war Herr Michael Bittner. Im laufe der Jahre füllte er so manche Position in unserem Verein aus.. Noch bis kurz vor der Vollendung seines 96 Lebensjahres und seinem Tod war er als Ehrenvorsitzender für den Verein aktiv. Als erster 1. Vorsitzender wurde Herr Heinrich Czayka gewählt, 36 Jahre (1954 bis 1990) setzte er sich als 1. Vorsitzender für die Belange der Siedler ein. Sicherlich hätte er das Amt noch weiter geführt doch gesundheitliche Gründe zwangen ihe sein Amt abzugeben. Als Ehrenvorsitzender unterstützte er aber weiterhin die amtierenden Vorstände mit seinem Wissen. 2006 verstarb er im Alter von 89 Jahren. Herr Czayka und Herr Bittner wurden mit der Ehrennadel des DSB in Gold ausgezeichnet
Nach Herrn Czayka übernahm 1990 Herr Wilming das Amt des 1. Vorsitzenden, aber schon nach kurzer Zeit (1994) zwangen ihn persönliche und berufliche Gründe das Amt wieder abzugeben. Als sein Nachfolger wurde der damalige 2. Vorsitzende Herr Nico Nijssen gewählt. 2. Vorsitzender wurde Herr Ulrich Neumann. Beide sind nun auch schon 20 Jahre im Amt.
Im laufe der nun 60jährigen Geschichte des Vereins haben sich die Vorstände um viele Dinge gekümmert. Nicht immer war der Einsatz vom Erfolg gekrönt doch die Mitglieder waren und sind dankbar für so manche Entlastung..
Höhepunkte unserer Gemeinschaft waren die Jubiläumsfeste zum 25jährigen 40jährigen und 50jährigen Bestehen.
Auf Einladung unseres Bundestagabgeordneten, Herrn Poss, besuchte 2010 eine 10köpfige Gruppe unserer Gemeinschaft zusammen mit 40 anderen Gelsenkichner Bürgern Berlin.

Seit einigen Jahren sind das Grillen für die Männer und das Kaffeetrinken für die Frauen zu einer festen Einrichtung geworden. Beide Veranstalltungen werden gerne besucht.
2014 blicken wir auf 60 Jahre Siedlerverein Resse II zurück.Im laufe der Jahre haben sich immer mehr Siedler der Gemeinschaft angeschlossen. Die Mitgliederzahl stieg von 30 auf 86
Der Einzugsbereich umfasst heute die Straßen, Im Emscherbruch, Schnorrstrasse, Ludwigstrasse, Meisenweg, Buchfinkenweg, Amselweg, Sienbeckstrasse, Goldammerweg, Brunnengasse, Bachstelzenweg, Ortrudstrasse, Cäcilienstrasse und die Kupfergasse.

Dieser Text wurde von Resser Bürger Ulrich Neumann zur Verfügung gestellt.

Das Bild ist entnommen aus einen  privatem Album der Familie Rohmann, leider gibt es dort keine Nachkommen mehr.
Die Aufnahme wurde ca. 1950 vom Förderturm der Zeche Ewald 3/4 gemacht. Im Hintergrund die Zeche Ewald in Herten, die 2 Kamine vom Kesselhaus und vom Kraftwerk
Die 6 weißen Häuser; Schnorrstrasse, im Emscherbruch,
Die Sandhaufen sind die Ausschachtungen für die Häuser Ludwigstrasse
Gegenüber vom freien Feld die große und kleine Sichel

Im Vordergrund Werkstattbaracken der Zeche Ewald die im 2 Weltkrieg als Gefangenenlager gedient haben sollen.